Unternehmen in der Krise: auch dann gibt es eine Zukunft
Krisen entwickeln sich oft schleichend. Liquiditätsengpässe verschärfen sich, Finanzierungen lassen auf sich warten, Lieferketten geraten ins Stocken. Wenn Mahnungen das Tagesgeschäft dominieren, viel Zeit mit Kreditoren vertrösten draufgeht oder Kundenaufträge ausbleiben, wird vielen Unternehmern erst bewusst, dass ihr Betrieb gefährdet ist. Externe Faktoren verschärfen diese Lage zusätzlich. Doch nicht jede Krise endet zwangsläufig in Konkurs – richtig erkannt und professionell gesteuert, kann eine Krise auch eine Zukunft bilden.
Unternehmen in finanzieller Not sehen sich mit verschiedenen Problemen konfrontiert. Häufig geraten Rechnungen und Verbindlichkeiten ausser Kontrolle, das Vertrauen von Gläubigern, Lieferanten und Kunden schwindet. Operative Engpässe treten parallel auf: Entscheidungswege verlängern sich, Prozesse sind ineffizient und die Marktreaktionen verhalten. In besonders kritischen Fällen droht der Konkurs. Oft enden selbst sanierungsfähige Unternehmen in einem Konkurs, weil Instrumente wie die Nachlassstundung zu spät oder gar nicht in Betracht gezogen werden. Die Folgen sind drastisch: Stilllegung von Betrieben, Verlust von Arbeitsplätzen und Vermögenswerten, wirtschaftliche Schäden für Gläubiger und Zulieferer.
Die Nachlassstundung - ein Weg von vielen
Die Nachlassstundung stellt in dieser Situation eine wertvolle Möglichkeit dar, die Krise abzufedern. Sie gewährt dem Unternehmen eine Atempause vor Zwangsvollstreckungen und eröffnet Zeit, einen Sanierungsplan unter gerichtlicher Aufsicht zu erarbeiten. Ziel ist nicht nur die kurzfristige Stabilisierung, sondern auch die langfristige Sicherung des Betriebs, zum Beispiel durch den Verkauf eines noch überlebensfähigen Betriebsteiles. Das Instrument richtet sich an Unternehmen, die grundsätzlich überlebensfähig sind, aber vorübergehend zahlungsunfähig oder überschuldet erscheinen. Während der Nachlassstundung können Gläubigerforderungen geordnet behandelt, operative Massnahmen umgesetzt und die Liquidität gesichert werden, ohne dass das Unternehmen sofort stillgelegt werden muss. Die Nachlassstundung ist jedoch kein Allheilmittel für Unternehmen in der Krise. Sie ist dennoch ein wirksames Sanierungsinstrument, das in der Praxis noch relativ wenig genutzt wird und unter der breiten Masse wenig bekannt ist. Richtig eingesetzt schafft die Nachlassstundung die nötige Zeit und Struktur, um tragfähige Lösungen zu erarbeiten und den Fortbestand des Unternehmens zu sichern oder im Sinne der Gläubiger die bestmögliche Lösung anzubieten. Denn gilt stets: Die Wahrung der Gläubigerinteressen steht im Zentrum jeder Nachlassstundung. Ob die Nachlassstundung für ein Unternehmen das richtige Sanierungsinstrument ist, ist im Einzelfall anhand der konkreten Ausgangslage zu prüfen und einzuschätzen.
Distressed M&A: Chancen durch gezielte Unternehmensverkäufe
Eine Möglichkeit, dringend benötigtes Kapital zu beschaffen, bietet beispielsweise das sogenannte Distressed M&A. Der Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensanteilen in der Krise, sei es direkt oder im Rahmen eines Sanierungsverfahrens, eröffnet finanzielle Spielräume. Entscheidend ist, dass dieser Prozess strategisch vorbereitet wird: geeignete Käufer oder Investoren müssen identifiziert, Unternehmenswerte und Risiken analysiert, Transaktionsbedingungen verhandelt und Umstrukturierungsmassnahmen geplant werden, um den Wert des Unternehmens nachhaltig zu erhalten. Ein sorgfältig geführtes Distressed-M&A-Vorhaben kann so die finanzielle Stabilität erhöhen, den Fortbestand sichern und Arbeitsplätze bewahren.
Die Herausforderung besteht darin, die geeigneten Massnahmen zum richtigen Zeitpunkt einzuleiten. Dazu gehören eine präzise Analyse der Unternehmenslage, insbesondere der bilanziellen Verhältnissen, die Erstellung eines Sanierungskonzepts, die Sicherung der Liquidität und die Stabilisierung von Ertragskraft und Organisation. Operative Anpassungen, Verhandlungen mit Gläubigern und Finanzpartnern sowie die Anpassung von Strukturen und Prozessen können den Unterschied zwischen Erfolg und Konkurs ausmachen. Oft erweist sich die professionelle Begleitung durch Experten als entscheidend: Sie prüfen die Sanierungsfähigkeit, bewerten Vermögenswerte, vermitteln zwischen den Beteiligten und sorgen dafür, dass Massnahmen rechtlich und wirtschaftlich wirksam umgesetzt werden.
Ist der Sanierungsprozess erstmal angestossen, zeigt sich in vielen Fällen erst im laufenden Prozess, dass der ursprünglich geplante Transaktionsweg nicht realisierbar oder nicht der ideale Weg ist. Klassische Unternehmensverkäufe werden dann kurzfristig durch alternative Modelle ersetzt: Management-Buy-outs, Teilverkäufe, Beteiligungslösungen mit Investoren oder Asset Deals gewinnen an Bedeutung. Sie ermöglichen es, Zeit zu gewinnen, Risiken zu verteilen und den Fortbestand des Unternehmens zu sichern – selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen.
Sanierung: Strategien zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit
Die Nachlassstundung und Distressed M&A zeigen: Krisenmanagement ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern ein strategisches Instrument, um Verluste zu begrenzen und neue Chancen zu schaffen. Während die Nachlassstundung die Zeit und den rechtlichen Rahmen für eine geordnete Sanierung liefert, ermöglicht Distressed M&A, durch frisches Kapital oder Käuferstrukturen die Unternehmensfortführung zu sichern. In beiden Fällen gilt: Je früher gehandelt wird, desto grösser sind die Chancen auf nachhaltige Stabilisierung. Jedoch zeigt sich in der Praxis, dass auch Flexibilität ausschlaggebend für eine gelungene Sanierung ist. Die Unternehmen und beteiligten Personen müssen bereit sein, auch kurzfristig auf alternative Sanierungsmassnahmen auszuweichen und diese unter Zeitdruck umzusetzen.
Expertise ist entscheidend: professionelle Begleitung als Schlüssel zum Erfolg
Unternehmen, die frühzeitig reagieren und professionelle Expertise einbinden, können nicht nur den Fortbestand sichern, sondern gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die konsequente Analyse von Vermögenswerten, die transparente Kommunikation mit Gläubigern und die Umsetzung realistischer Sanierungspläne ermöglichen es, das Unternehmen wieder wettbewerbsfähig aufzustellen oder den operativen Betrieb in einer alternativen Struktur weiterzuführen. Sowohl die Nachlassstundung als auch der gezielte Verkauf von Unternehmensanteilen bieten Instrumente, um das Geschäft fortzuführen, Arbeitsplätze zu schützen und das Vertrauen von Partnern und Investoren zu erhalten.
In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wird klar: Krisen sind kein unvermeidbares Scheitern, sondern eine Herausforderung, die sich mit den richtigen Werkzeugen und der passenden Expertise meistern lässt. Unternehmen, die diese Instrumente verstehen und frühzeitig einsetzen, schaffen die Grundlage für Stabilität, Wachstum und eine langfristige Perspektive.
Dieser Beitrag wurde in der Ausgabe 01/26 der Fachpublikation «Corporate Finance» der Handelszeitung veröffentlich.